Keyboard to screen

Technologie-Blog

Patent-Prozess – Auch CEO-Gespräch bringt keine Einigung zwischen Apple und Samsung

Im „Jahrhundert-Prozess“ zwischen Apple und Samsung scheint der Wunsch der Richterin, die Parteien mögen doch Frieden schließen, auf taube Ohren gestoßen zu sein. In letzter Sekunde haben die Vorstandschefs zwar noch einmal telefoniert. Aber eine Einigung kam nicht dabei heraus.

Bevor am Dienstag die Jury das Wort hat, haben sich die Vorstandschefs Tim Cook (Apple) und Kwon Oh Hyun (Samsung) doch noch zu einem letzten Telefonat durchringen können. Schon im Frühjahr gab es solche Verhandlungen, doch sie blieben ohne Erfolg. „Ich sehe Risiken für beide Unternehmen“, hatte Richterin Lucy Koh appelliert, doch noch einmal zu sprechen.

Sollte Samsung verurteilt wird, muss das Unternehmen seine Produkte stärker vom iPhone differenzieren, um eventuellen weiteren Klagen zu entgehen. Gewinnt Samsung, dürften sich die künftigen Geräte noch stärker an die Apple-Produkte anlehnen. „Die Entscheidung ist für den Verlierer teuer und hat unvorhersehbare Konsequenzen“, sagt Analyst Horace Dediu. Die Strafen (2,5 Milliarden Dollar Strafe für Samsung, 422 Millionen Dollar für Apple) sind für die beiden Unternehmen in diesem Multi-Milliarden-Dollar-Markt eher Nebensache.

Wie erfolgreich Samsung ist, zeigt die folgende Grafik. Noch Anfang 2010 verkaufte Apple dreimal mehr Smartphones und Tablets als Samsung. Jetzt hat sich das Verhältnis beinahe umgekehrt: Auf 58 verkaufte Geräte der Südkoreaner entfallen nur 42 Produkte der Amerikaner. In beiden Märkten, also Smartphones und Tablets, sind die beiden Unternehmen jeweils klare Marktführer: Samsung mit 30 Prozent bei der Smartphones, Apple mit 70 Prozent bei den Tablets.

Samsung ist Apple davongezogen

Die Grafik macht auch einen weiteren Wandel deutlich: Apple hat zwar das iPhone und das iPad erfolgreich eingeführt, aber das Innovationstempo auf der Hardware-Seite ist bei Samsung inzwischen höher. Apple punktet klar mit seinen Retina-Displays, aber in vielen anderen Aspekten (wie Prozessorgeschwindigkeit oder der Display-Größe bei Smartphones) liegen die Samsung-Geräte inzwischen gleichauf oder sogar vorne. Das Urteil könnte allerdings Auswirkungen auf das Innovationstempo haben, wenn nämlich teilweise sehr allgemeine Patente von Apple dazu führen, dass andere Unternehmen in ihrer Innovationskraft zurückgedrängt werden. Ein „Monopol auf den Fortschritt“ in den Händen von Apple wäre für die Industrie sicher kein Fortschritt.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob das von Apple voraussichtlich am 12. September vorgestellte iPhone 5 mit dem aktuellen Samsung-Flaggschiff Galaxy S3 wenigstens wieder gleichziehen kann – oder wieder einen Vorsprung erzielt. Denn die Führungsrolle war Apple mit dem 2011 eingeführten iPhone 4S abhanden gekommen. Schon im vergangenen Quartal hatten die Kalifornier daher deutlich weniger iPhones verkauft als erwartet. Der Zeitpunkt für einen echten Innovationssprung von Apple wäre also günstig.

In der Tech-Branche wurde schon immer geklaut

Die Amerikaner werden allerdings auch in den Gerichtssälen weitermachen, egal wie dieser Prozess nun ausgeht. „Apple hat aber noch viele weitere Klagen laufen, die teilweise größere Auswirkungen haben könnten“, sagte Patent-Experte Florian Müller. Und die Gegenseite wird weiterhin zurückschlagen. Das gilt auch für Deutschland. Allein im September und Oktober werden drei weitere Samsung-Klagen gegen Apple vor dem Landgericht Mannheim verhandelt werden. Die drei vorherigen Prozesse dieser Art habe Samsung aber verloren.

Inzwischen greift auch Google wieder in den Patent-Streit ein und nutzt dafür seine neu erworbene Tochtergesellschaft Motorola. Der heruntergekommene Handy-Hersteller setzt seine Patente ein, um Googles Betriebssystem Android gegen das Apple-System iOS zu verteidigen. Android ist nämlich der eigentliche Dorn im Auge von Apple. „Google hat verdammt noch mal das iPhone geklaut hat und uns in großem Stil abgezockt. Wenn es sein muss, werde ich das bis an mein Lebensende und mit jedem Penny … von Apple richtigstellen. Ich bin bereit, dafür einen thermonuklearen Krieg anzufangen“, wird der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs in seiner autorisierten Biographie von Walter Isaacson zitiert. In dem Buch wird allerdings auch sehr genau beschrieben, wie Apple einst die graphische Benutzeroberfläche bei Xerox abgekupfert hat, die Microsoft dann später bei Apple für sein Betriebssystem Windows abgeschaut hat.

Artikel-Quelle: http://www.focus.de

,